Leseprobe aus dem Buch

"Ending Stories II" (2017)

Jetzt wird`s aber Zeit

 

Der alte mechanische Blechwecker rappelte, klingelte und rumorte, als hätte er es sich zur Aufgabe gemacht, sämtliche Einwohner der Hauptstadt aus dem Schlaf zu reißen.

Der Mann, der seinen völlig kahlrasierten Kopf keine dreißig Zentimeter von dem altertümlich anmutenden Störenfried entfernt auf`s Kissen gebettet hatte, fuhr erst zusammen und dann in die Höhe. Anschließend griff er nach der scheppernden Höllenmaschine und beendete das ohrenbetäubende Tohuwabohu, indem er den kleinen Hammer, der unablässig links und rechts gegen die Glöckchen stieß, mit dem dafür vorgesehenen Feststeller zur Untätigkeit verdonnerte. Danach sah er auf das Ziffernblatt, fragte sich, ob die angezeigte Uhrzeit tatsächlich der Realität entsprechen konnte, warf zur Sicherheit noch einmal einen Blick auf den auf dem Nachttisch liegenden Chronographen und atmete tief durch.

 

Verdammt, jetzt wird`s aber Zeit, dachte er in Anbetracht dessen, was an diesem Tag noch alles vor ihm lag.

 

Er stand auf und stürmte ins Bad. Zwanzig Minuten später eilte er bereits frisch geduscht und rasiert durchs Treppenhaus, rempelte im Erdgeschoss beinahe einen jungen Mann an, von dem er zufällig wusste, dass dieser bei der Berliner Berufsfeuerwehr war, riss die Haustür auf, rannte über den Vorplatz und sprang in seinen an der Straße geparkten schwarzen Pajero. Während er sich in den Berufsverkehr einfädelte, sah er immer wieder auf die Uhr.

 

Verdammt, jetzt wird`s aber Zeit.

 

XXX

 

Am Wittenbergplatz parkte er den alten Geländewagen in zweiter Reihe vor dem gigantischten und berühmtesten Kaufhaus der Stadt. Er hetzte ins Innere des Konsumtempels, bahnte sich seinen Weg durch die Gänge, Abteilungen und Etagen, vorbei an Verkaufsständen, Auslagen, Kleiderständern und Menschenschlangen, erreichte schwitzend und schwer atmend seinen Zielort und griff der alten Dame, die gerade in diesem Augenblick am oberen Ende der Rolltreppe ins Straucheln geraten war, beherzt an den Kragen ihres teuren Wollmantels. Er zog sie sanft aber bestimmt zurück, und als die Frau realisierte, was da gerade mit ihr geschehen war, befand sich der Mann auch schon wieder in einer Traube von Suchenden, Eilenden und Nichtfindenden.

 

Gerade noch rechtzeitig, dachte der Mann. Und er lächelte. Doch dann sah er auf seinen Chronographen.

Verdammt, jetzt wird`s aber Zeit.

 

XXX

 

Draußen vor dem Kaufhaus stieg er keuchend in seinen Mitsubishi – kurz bevor die wild winkende Politesse ihn mit ihrem Bleistift, ihrem Schreibblock und ihrer aufgebrachten Miene erreichte. Er winkte ihr freundlich zu, und als die uniformierte Mitarbeiterin des Ordnungsamtes das Lächeln des Mannes sah, erhellten und entspannten sich ihre Gesichtszüge, sodass sie Block und Bleistift in die Tasche zurücksteckte.

 

Gerade noch rechtzeitig.

 

Er raste durch die Stadt, die im Armaturenbrett eingebaute Uhr vor sich und zugleich im Nacken. Schweißtropfen standen und bewegten sich auf seiner Stirn, seine rechte Hand lag leicht zitternd auf dem abgegriffenen Schaltknüppel.

Noch drei Minuten.

Er fragte sich einige Sekunden lang, warum er eigentlich so nervös war. Schließlich wusste er doch genau, was das Leben in den nächsten Stunden mit ihm vorhatte – und was er mit dem Leben vorhatte.

 

XXX

 

Vor einer Bank am Kurfürstendamm hielt er den Wagen. Diesmal ordnungsgemäß in einer Parklücke. Direkt hinter einem dunklen Van mit getönten Scheiben, der da mit laufendem Motor auf die Dinge wartete, die da kommen sollten.

Er betrat das riesige Foyer, suchte mit seinen Augen die Umgebung ab, scannte alle Bankkunden im Geiste wie mit einem Lasergerät und bewegte sich schließlich auf eine Gruppe von vier Männern zu, die hinter einer Säule standen und sich verstohlen nach allen Seiten hin umblickten. Er trat an die Verstohlenen heran, legte dem Größten von Ihnen eine Hand auf den Oberarm und flüsterte ruhig und gelassen:

„Nicht heute, mein Freund. In und um die Bank herum wimmelt es nur so von Polizei. Die haben euch auf dem Kieker.“

 

Und während die Vier ihre Gesichtsmasken und Waffen verunsichert dort ließen, wo sie waren, und langsam und unauffällig ihren Weg zu dem wartenden Van einschlugen, hob der Mann an einem der Schalter das gesamte Geld ab, was sich auf seinen Konten befand – und was er während seines gesamten Lebens angespart hatte.

 

Gerade noch rechtzeitig, dachte er, als er wieder im Wagen saß und bemerkte, dass der dunkle Van vor ihm verschwunden war. Und er lächelte. Doch dann sah der Mann auf seine Armbanduhr.

Verdammt, jetzt wird`s aber Zeit.

 

XXX

 

Als er den Berliner Hauptbahnhof erreichte, war es kurz vor zehn. Obwohl er genau wusste, wohin ihn sein Weg führen würde, fragte er am Infoschalter eine fahrig wirkende Angestellte nach den Toiletten. Nachdem diese ihm Auskunft erteilt hatte, nahm er völlig unerwartet ihre rechte Hand, drückte sie sanft, sah ihr in die sorgenvollen, völlig übermüdeten Augen und meinte kaum hörbar:

„Ihrer Tochter geht es gut.“

Die Frau wirkte verunsichert und senkte den Blick auf ihre abgekauten Fingernägel.

„Aber nun sind es schon fast elf Monate, dass sie …“

Der Mann ließ die Hand der Frau los, strich ihr wie selbstverständlich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und erwiderte freundlich:

„Machen Sie sich keine Sorgen. Sie wird sich heute Abend bei Ihnen melden. Versprochen!“

 

Er ließ die überrascht und zugleich ungläubig wirkende Angestellte zurück und rannte zu den Bahnhofstoiletten. Er stürmte in den Männerbereich, stieß mehrere betrunkene Obdachlose, Touristen, Stricher und Freier beiseite, ignorierte den beißenden Gestank von Desinfektionsmitten, Urin und Erbrochenem, trat mit Wucht eine der sieben verriegelten Türen auf und zog dem jungen Mann, der auf der verdreckten Kloschüssel saß, genau in dem Augenblick die Nadel aus dem Arm, als dieser sich die falsch dosierte und viel zu großzügig bemessene Menge Glückseligkeit in die Vene pumpen wollte.

 

Als er das Bahnhofsgebäude wenige Minuten später wieder verließ, strahlte die Sonne.

 

Gerade noch rechtzeitig, dachte der Mann. Und er lächelte. Doch dann sah er auf die Uhr.

Verdammt, jetzt wird`s aber Zeit.

 

XXX

 

Er sprintete, flog die Treppenstufen des düsteren Plattenbaus in der Leipziger Straße nach oben. Überall Kinderwagen, kaputte Fahrräder, Plastiktüten, „Aufzug defekt!“-Schilder und Unrat. Im achten Stock klopfte er wie wild an eine Tür, die in der Vergangenheit völlig offensichtlich nicht immer nur mit ordinären Schlüsseln geöffnet worden war. Eine völlig verängstigte und zierliche junge Frau mit pinken Hausschuhen öffnete zaghaft, und der Mann schob sich an ihr vorbei, hinein in den vermüllten, stinkenden Flur.

 

„Jetzt wird`s aber Zeit!“, sagte er und wies mit den Augen auf den gepackten Koffer und den Säugling im Maxi Cosi. „Wir sollten keine Minute länger warten.“

Die junge Frau musterte ihn mit unterlaufenen und geschwollenen Augen. Dann tastete sie unbewusst und verschämt erst über ihre bläulich schimmernde Wange und anschließend über einen ehemals blutigen, inzwischen verschorften Kratzer auf der Stirn, ehe sie sich zaghaft in Bewegung setzte. Sie nahm schweigend das Kind, er den Koffer. Und gemeinsam ging es die Treppenstufen wieder hinunter, vorbei an Kinderwagen, kaputten Fahrrädern, Plastiktüten, „Aufzug defekt“-Schildern und Unrat.

Draußen verstaute der Mann das Gepäck im Kofferraum und die beiden Menschen auf der Rückbank. Und als das unberechenbare Monster auf den Parkplatz gefahren kam, schlich sich der Pajero wie eine Raubkatze lautlos und unsichtbar an ihm vorbei. Die junge Frau streichelte die kleinen Fingerchen ihres Kindes, der Mann sah auf seinen Chronographen.

 

Gerade noch rechtzeitig, dachte er. Und er lächelte.

 

Nachdem er seinen Wagen vor einem unscheinbaren Haus mit geschlossenen Vorhängen und einem hohen Zaun zum Stehen gebracht hatte, ließ er sie mit ihrem Kind aussteigen. Anschließend reichte er ihr den Koffer, in dessen Seitenfach er zuvor unbemerkt den Briefumschlag mit seinen gesamten Ersparnissen geschoben hatte. Die junge Frau, die eigentlich noch ein Mädchen war, sah ihn irritiert und mit weit geöffneten Augen an.

„Alles in Ordnung“, sagte der Mann beruhigend. „Und melden Sie sich heute Abend mal wieder bei Ihrer Mutter.“   

 

Sie nickte. Und während ihr Tränen übers Gesicht liefen, tapste sie unsicher in ihren pinken Hausschuhen und mit ihrem Säugling und ihrem Koffer auf das unsichtbare Haus zu, wo in diesem Augenblick gerade eine Tür geöffnet wurde.

 

Gerade rechtzeitig, dachte der Mann erneut. Und er lächelte. Doch dann sah er auf seine Armbanduhr.

Verdammt, jetzt wird`s aber Zeit.

 

XXX

 

Wie erwartet sah er den Kombi mit dem Phantasialand-Aufkleber auf der Heckscheibe, wie dieser mit überhöhter Geschwindigkeit auf der Rohrdammbrücke, etwa zehn Autos vor ihm, ins Schlingern geriet und schließlich das Stahlgeländer durchbrach, um in die sieben Meter darunter fließende Spree zu stürzen. Der Mann stoppte den schwarzen Pajero auf dem schmalen Seitenstreifen, ließ die Schlüssel stecken, hechtete heraus, riss sich die Jacke von den Schultern, schleuderte sie von sich, rannte die Strecke bis zu der Stelle, an der der Wagen in den Fluss gerast war, und lehnte sich für einen tiefen Atemzug lang gegen die Brüstung der Brücke. Er konnte beobachten, wie der Kombi, Luftblasen und kleine Strudel erzeugend, langsam in den dunklen Fluten versank, während um ihn herum immer mehr Autofahrer ihre Gefährte stoppten, ausstiegen und panisch, aufgeregt und katastrophenbegierig schauten, starrten, wild gestikulierten oder ihre Handys zückten, um die Szenerie zu filmen.

Der Mann nahm seinen Chronographen vom Handgelenk, sah aufs Ziffernblatt und verzog das Gesicht.

 

Verdammt, jetzt wird`s aber Zeit.

 

Er legte die Uhr um das Brückengeländer, ließ den Verschluss einrasten und warf anschließend noch einmal einen letzten wehmütigen Blick auf den wuchtigen Chronographen. Er würde ihn vermissen.

Und dann sprang er.

 

Weil es Zeit wurde.

 

XXX

 

Die Wasseroberfläche war hart wie Beton, und die Kälte der Dezemberfluten ließ sein Herz für einige Sekunden aussetzen. Doch dann pumpte es erneut warmes, lebensspendendes Blut durch seine Adern, und er begann zu tauchen. Die Dunkelheit umgab ihn wie eine feuchte, schwere, bedrohliche, bedrückende Masse, und bereits nach weniger als zehn Sekunden spürte er, wie ihn seine Kräfte verließen. Er konnte nichts sehen und verließ sich ausschließlich auf seinen unbewussten Orientierungssinn.

Endlich berührten die Hände des Mannes etwas Hartes. Er hatte den Wagen erreicht. Und jetzt bemerkte er auch die seltsamerweise noch brennenden Scheinwerfer, die schwache, unwirkliche Lichtkegel in die dunkelbraun-dämmrige Brühe warfen. Er fuhr mit seinen Fingern die Umrisse des Autos ab, und er erahnte, dass es sich bei der Scheibe, die er gerade inspizierte, um die des Beifahrers handeln musste. Der Kombi lag hochkant auf der linken Seite. Der Mann suchte nach dem Türgriff, fand ihn schließlich und begann damit, die Tür gegen den Widerstand des Wassers langsam nach oben hin zu öffnen. Entgegen aller Erwartungen entflammte in diesem Augenblick die Innenbeleuchtung des Autos, und binnen eines Wimpernschlages realisierte er, dass sich neben dem Fahrer und seiner Begleiterin noch zwei Kinder im Wageninneren befanden. Der Familienvater versuchte in diesen Sekunden, sich mit hastigen Bewegungen von seinem Anschnallgurt zu befreien, während seine Frau und die beiden Kinder aussahen, als würden sie schlafen. Der Mann griff nach dem Gurt der Frau, löste ihn und umschlang ihren Oberkörper, um sie an sich zu ziehen. In dem Moment, in dem er sie berührte, schlug sie die Augen auf, und in ihrem Blick lagen Angst und Panik. Doch sie fing sich schnell und begriff, was dieser Fremde in der klaustrophobisch-surrealen Unterwasserumgebung von ihr wollte. Sie streckte ihm ihre Hände entgegen, ließ sich von ihm helfen und befand sich kurze Zeit später außerhalb des Autos. Der Familienvater, der sich inzwischen von seinem Sicherheitsgurt befreit hatte, machte nun ebenfalls Anstalten, aus der geöffneten Wagentür zu kommen – halb kletternd, halb schwimmend, immer mit aufgeblähten Wangen und schreckhaft geweiteten Pupillen. Zu dritt wuchteten sie danach die hintere Seitentür auf und begannen damit, die Kinder aus ihrem gefluteten Gefängnis zu befreien.

 

XXX

 

Seine Lungenflügel glühten wie Feuer, und als er dem Vater aus dem Wagen heraus das zweite Kind zuschob, damit dieses mit ihm endlich zurück ins Leben konnte, wurde dem Mann, trotz der gespenstisch brennenden Innenbeleuchtung und der langsam schwächer werdenden Scheinwerfer, schwarz vor Augen.

 

Als er sich endlich mit den Füßen abstoßen wollte, um den nassen Käfig ebenfalls zu verlassen, ging ein Ruck durch den noch immer auf der Seite liegenden Kombi. Der Mann spürte, wie die gesamte Karosserie in Bewegung geriet und unendlich langsam aufs Dach kippte. Und in dieser Sekunde erloschen auch die Glühbirnen der Innenbeleuchtung und die der Scheinwerfer.

Der Mann versuchte mit ermattenden Kräften ein letztes Mal, sich aus der Dunkelheit zu befreien, doch eine unsichtbare Macht schien ihn mit unbändigem Willen daran hindern zu wollen. Irgendwo hatte sich ein Kleidungsstück von ihm an einem Hebel, einem Griff oder sonst einem Gegenstand verheddert, sodass er sich nun weder vor noch zurück bewegen konnte.

 

Er sah in der Finsternis des dunklen, kalten, einsamen Flusses auf sein Handgelenk. Und obwohl dort keine Uhr mehr war und er nichts erkennen konnte, wusste er, dass er gerade noch rechtzeitig gekommen war.

 

Und dass es nun Zeit wurde.

 

XXX

 

Der junge Feuerwehrmann, der seit zwei Jahren in Berlin lebte, nachdem er zuvor für seine Freundin, die in der Hauptstadt als Politesse tätig war, aus einem kleinen Dorf in Bayern in die deutsche Megametropole gezogen war, stand genau an der Stelle, wo der Familienwagen eine Stunde zuvor in die Spree gestürzt war, am Geländer der Brücke und zündete sich eine Zigarette an.

Er inhalierte tief, streckte den Kopf in den Nacken und blies den Rauch in den sonnigen, lachenden, wolkenlosen Himmel. Dann sah er erneut auf den Kran, der den Kombi aus der träge dahinfließenden Spree zog. Wasser floss in Sturzbächen aus den offenen Türen, den Fenstern und jeder erdenklichen Stelle, hinter der man einen Hohlraum vermuten konnte. Langsam schüttelte er den Kopf.

Er hatte in seinem Job während der letzten Jahre schon viel erlebt, doch das eben hatte selbst ihm eine Gänsehaut über den ganzen Körper gejagt.

Er war mit den Tauchern in einem Schlauchboot auf den Fluss gefahren und hatte mit einem Kollegen darauf gewartet, dass diese nach ihrem Tauchgang wieder an die Oberfläche kamen. Es hatte geheißen, dass noch eine Person im Autowrack eingeklemmt sei, obschon die Familie vollständig gerettet worden war. Und irgendwann waren die Froschmänner wieder an der Wasseroberfläche erschienen, mit einem leblosen Körper im Schlepptau.

Der junge Feuerwehrmann war während seiner Ausbildung und Berufstätigkeit schon mit so mancher seltsamen und absonderlichen Leiche konfrontiert gewesen, doch noch niemals hatte er bei einem Toten ein derartiges Lächeln gesehen. Der Ausdruck von Frieden und Ruhe im Gesicht des komplett kahlrasierten Mannes, der ihm zudem irgendwie bekannt vorgekommen war, hatte dem jungen Beamten wie mit einer eisernen Kralle die Kehle zugeschnürt, und er hätte nicht sagen können, was das für ein Gefühl war, das sich gerade in seinem Körper, seiner Seele, seinen Gedärmen und seinem ganzen Sein breitmachte.

 

Er schnippte die Kippe in einem weiten Bogen in den Fluss und drehte seinen Kopf. Er wollte schon zurück zu seinen Kameraden gehen, als ihm plötzlich das glänzende Etwas auffiel, das wenige Meter von ihm entfernt an dem eisernen Geländer der Brücke befestigt war. Der Feuerwehrmann ging darauf zu und erkannte, dass es sich um eine Armbanduhr handelte. Einen anscheinend ziemlich hochwertigen Chronographen. Er löste den Verschluss und wog die Uhr in seiner Hand. Und ehe sein Verstand realisierte, was sein Körper tat, hatte er sich die Uhr auch schon ums Handgelenk gelegt und sie verschlossen.

 

Und schließlich setzte er sich sicheren Schrittes in Bewegung. Jedoch ging er nicht in Richtung seiner Kollegen, nicht zu seinem Einsatzleiter, nicht zurück zu seiner Freundin oder in sein normales Leben.

Er ging, den schweren Chronographen am Handgelenk spürend, weiter und weiter, bis er schließlich auf den letzten Metern zu rennen begann.

 

Er erreichte den schwarzen Geländewagen, der noch immer auf dem Seitenstreifen stand, riss die Tür auf, warf sich auf den Fahrersitz, startete den Motor und legte den ersten Gang ein. Und dann drückte er das Gaspedal des Pajeros so heftig durch, dass die protestierenden und qualmenden Reifen dunkle Spuren auf dem Asphalt der Brücke hinterließen.

 

Und während der Mann abermals einen Blick auf seine neue Armbanduhr warf, realisierte er, dass es, verdammt noch mal, jetzt aber Zeit wurde.

 

Und er lächelte.